"Eine Saga um die Rote Brut" - Der Kaptiän 2007/2008
Feucht und kalt war die aus massivem Eichenholz bestehende Tür. Meine rechte Hand, die vom Nass des Himmels durchweicht war und dessen Haut sich wölbte drückte langsam die metallene Klinke nach unten. Schwer öffnete sich das Tor in eine Scheinbar andere Welt.
Als ich eintrat überkam mich eine wohlige Wärme, aber auch ein eisiger Schauer durchzog meine Glieder. Diese abgelegen Taverne die mir der Fischer am Hafen nannte und wo ich endlich Antworten bekommen sollte, war ein Ort wie ich ihn vorher nie gesehen hatte und wohl auch nie wieder sehen sollte. Es war, als wurde ich in eine Welt voller Abenteuer und Mysterien geführt werden. Ein leises Schnarren ließ die Tür hinter mir verschließen und ich betrachtete den Raum genauer, in dem ich nun körperlich einige Zeit verweilen würde, der mich allerdings geistig niemals wieder losließ.
Es war ein einfacher Raum, dunkel und warm. Lediglich das Feuer auf der Feuerstelle warf ein wenig Licht auf die gespenstische Szenerie. Die Wände waren schlicht. Einige Bilder von alten Segelschiffen und Seekarten aus längst vergangen Zeiten zierten sie. Es gab nur drei kleine Fenster zur Türseite hinaus, die mit alten vergilbten Fetzen behangen waren. Vier hölzerne Tische waren zu sehen. An jedem standen vier Stühle die wie alles in diesem Raum alt und marode, aber dennoch stabil und heroisch erschienen. Ein dunkler Tresen war zu meiner Rechten an der Stirnseite zu finden. An ihm befanden sich sieben Barhocker. An jedem einzelnen von ihnen schien es, als ob schon so mancher Rumkrug als auch das ein oder andere Messer seinen Meister fand. Im Rücken des Tresens fand sich ein großer Schrank. Ranzige Gläser standen in ihm, es waren viele Fächer von Spinnweben und Staub durchzogen. Nur vereinzelnd sah ich Rum Flaschen deren Herkunft und alter ich nicht bestimmen konnte. Sie wurden nicht oft von ihrem Besitzer der vor ihnen wie ein stolzer Anführer stand, aus der Reserve gelockt um einen Tropfen ihres kostbaren Inneren Preis zu geben. Das eine Auge der Gestalt hinter dem Tresen, welches mich seit meinem Betreten der Taverne fixiert und scheinbar niemals wieder loslassen wollte folgte mir auf Schritt und Tritt. Nichts schien es von mir abzulenken. Der Blick war als würde er vor keiner Armee der Hölle jemals zurückweichen. Furcht oder gar ein Träne, schien es noch nie gesehen zu haben. Die Höhle im Schädel wo sich eigentlich sein Mitstreiter befinden sollte, war leer. Nur ein schmaler schwarzer Fetzen verdeckte dessen Zentrum. Der Mann war zerzaust. Sein kurzes schwarzes Haar stand ihm Wirr zu Kopf und wurde durchzogen von einigen grauen Bahnen, die dem imposanten und mächtigen Gesamtbild des Mannes keinerlei Einbußen gaben. Sein Gesicht war vernarbt und ein kurzer schwarzer Bart schenkte ihm an den Stellen seines Hervortretens ein noch groteskeres Bild. Seine Kleidung war einfach und zerfetzt. Farben waren nicht mehr zu erkennen. Eine von Dreck befleckte Schürze zierte seinen Wanst. Außer einigen Beuteln trug er mehrere Messer in seinen dunkel braunen ledernden Gürteln. Diese schienen als einziges an ihm Aufmerksamkeit und Pflege zu genießen. In seiner rechten Hand hielt er einen alten Lappen mit dem er scheinbar vor kurzem noch sporadisch etwas zu reinigen versuchte. An seinem rechten Arm allerdings entdeckte ich den Überrest eines Roten Fetzen. Er war ausgeblichen und schien schon mehr Ecken der Erde gesehen zu haben, als ich in fünf Leben beseegeln hätte könnte. Auch seine Position schien er niemals verlassen zu haben. Er war durchtränkt von Schmutz und trockenem Blut ganzer Armeen, so schien es mir. In einer dunklen Ecke hinter dem Tresen vermutete ich eine kleine Tür, die zu einem weiter hinten gelegenen Raum führen musste.
Das Feuer knisterte. In seinem Licht flackerte das Profil eines weiteren Mannes, der in die Flammen starrte. Keinerlei Aufmerksamkeit, noch nicht mal einen kurzen Blick würdigte er mir. Er war versunken in einer Anderen Welt. Seine Augen starrten voll Ehrgeiz in die tanzenden Lichtquellen, als wollten sie diese durch den bloßen Anblick niederringen. Seine grauen Brauen wölbten sich als sei der Geist des Mannes an einem weit entfernten Ort. Der Mund war fest verschlossen als könnte kein Bär der Welt in jemals mit seinen Tatzen öffnen. Die rechte Seite des Mannes war im Schatten des Raumes verborgen. Die Linke, mir zugewandte Seite, konnte ich durch das Licht der Flammen recht gut erkennen. Er saß auf einem der Stühle am hintersten der Tische im Raum. Er Trug einen schweren verdreckten und nassen Mantel. An seinen Füßen trug er schwarze große Seestiefel mit ledernen Stulpen an ihnen, die teils zerfetzt waren. Seine Hose war vom Salzwasser ausgeblichen und wies ebenfalls einige Risse auf. Auf seinem Kopf trug er einen zerfransten alten Dreispitz, das dünne graue Haar welches ihm ein sehr weises Antlitz verlieh hing unter diesem Hut ungeordnet heraus. Einige der grauen fettigen Strähnen hingen ihn direkt in sein Gesicht, doch dieses Gesicht konnte nichts, wirklich gar nichts und schon recht kein Spross aus totem Gewebe aus der Ruhe bringen. Keine Regung, kein Zucken ließ das Gesicht lebendig erscheinen. Es war durchzogen von tiefen Falten und Narben die aus Schlachten stammen in denen Waffen genutzt worden sein mussten, die Aufgrund ihrer Grausamkeit nie den Weg in ein Geschichtsbuch fanden. Er war alt. Er war zerfallen. Er saß zusammengekauert und nach vorne gebeugt auf seinem Stuhl. Dennoch war er mehr als es zehn von meiner Sorte jemals hätten sein konnten. Er hatte eine Aura die mir klar werden ließ, dass wenn er sich erheben würde ich den wohl mächtigsten Mann vor mir hätte, den ich jemals sah. Nichts schien ihn aus der Ruhe zu bringen oder gar Angst einjagen zu können. Er trug einen kurzen grauen Bart um die Mundpartie und die Nase war grob und vom Rum gezeichnet. Einen großen Holzkrug davon hatte er schräg vor sich auf dem Tisch stehen. Der lieblich, herbe, hölzerne Duft stieg in meine Nase und ließ mich ebenfalls nach einem Schluck verlangen, doch traute ich mich nicht den Wirt anzusprechen. Die Gestalt am Tisch hatte einen osmanisch angehauchten Säbel an seinem Gürtel, welches so manches Haupt vom Torso seine Besitzer getrennt haben muss. An seinen Stuhl lehnte ein Gehstock welcher durch diverse Kerben und Rillen gekennzeichnet war.
Außer den Beiden war niemand im Raum. Mir war klar, dass ich meinen Mut zusammennehmen musste und die Chance ergreifen, um endlich zu erfahren. Ich ging also auf den Sitzenden zu. Die Augen des Wirtes verfolgten mich auf Schritt und Tritt. Seinen Blick zu erwidern vermochte ich nicht. Ein Schauer ging mir durch den Leib und ich verspürte die wohl größte unmenschlichste Angst die ich bis dato erfuhr und jemals erfahren sollte. Als ich nur einen Schritt von dem Sitzenden entfernt war begann ich mit zitternder Stimme zu sprechen: „Man sagte mir ich könnte an diesem von der Zivilisation entfernten Ort etwas über Piraten erfahren.“ Keine Regung, kein Zucken, nichts kam zurück. Mein Blick ging zum Wirt der mich immer noch anstarrte und ein Glas polierte. Von ihm, ebenfalls nichts. Ich musste direkter werden: „Entschuldigung Herr, ich habe eine weite beschwerliche Reise hinter mir, nur um euch hier zu finden und etwas über die R-t-R und seinen geheimnisvollen Kapitän zu erfahren!“ Das war es was ihn endlich zucken ließ und was meine Furcht noch um ein vielfaches steigen ließ. Bei dem Wort R-t-R regte sich ein respektvolles Gefühl in seinen Augen und sein Blick wanderte auf ein Bord direkt neben der Feuerstelle. Nur kurz wanderte sein Blick und fand schnell zurück zu den Flammen. Doch mit Hilfe des flackernd fahlen Lichtes konnte ich das Ziel seines Blickes erkennen. Es war ein Buddelschiff was mich erschrecken ließ. Das Schiff war schwarz und von einer Bauart die ich bis dahin niemals gesehen hatte. Ich traute mich nicht näher heran, also starrte ich von neuem den Mann vor mir an. Die Sekunden fühlten sich wie endlose Stunden an und gerade als ich die Stimme erheben wollte, durchzog mich ein Geräusch was gleichzeitig Wasser zum frieren hätte bringen können und Blut zum kochen. Die Stimme des Mannes ließ erahnen welch ein Geschöpf er sein musste. Er wandte sich mir zu und nun konnte ich an seinem mir bis dahin abgewandten Arm einen Rest roten Stoffes erkennen. Mir war alles klar. Er war ein Pirat: „Woher weißt du von diesem Ort, und von dem, wovon du eben sprachst?“ Sein Blick sollte alles was in mir einst Stolz hätte sein können in dem Bruchteil einer Sekunde brechen. Nun musste ich ausweichen und den Blick dem Feuer zuwenden, denn in dieses Gesicht konnte ich keinen vernünftigen Satz verlauten lassen. Zu der Angst vor dieser Ortschaft kam nun noch die direkte Angst um mein eigenes Leben hinzu. „Hey Bursche! Rede!“ Ich stotterte: „Ähm… mein Vater Schrieb mir einen Brief er… er habe endlich seine Erfüllung gefunden… er… er wäre Pirat auf diesem Schiff der… ähm… „R-t-R“ endlich wäre er frei und geht seiner Bestimmung nach. Herr ich liebe meinen Vater und wollte mehr herausfinden als mir diese spärliche Zeilen hätten sagen können und… und… so stieß ich auf diesen geheimen Ort… doch nur wenig konnte ich bisher erfahren über dieses Schiff und seinen Kapitän der so grausam sein muss, dass er nicht mal einen Namen trä…“, „SCHWEIG DU HUND!“ er fuhr mich an und bäumte sich auf. Ich viel über meine eigenen Beine in die Stühle hinter mir, mein Körper zitterte, Schweiß stieg mir in mein Gesicht. Mit aufgerissenen Augen erblickte ich den Wirt, welcher lauthals zu mir herüber lachte und sofort danach wieder das Gesicht des Sitzenden. „Wage es nicht über ihn zu sprechen, wenn du etwas erfahren willst oder diesen Raum einfach nur wieder lebendig verlassen willst.“ Leise, fast lautlos erwiderte ich „Ja… ja Herr, was ihr mir sagt… nur bitte… bitte erzählt mir wonach ich fragte.“ Er wandte sich erneut dem Feuer zu. Mit seiner Linken griff er zielstrebig seinen Krug und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Krachend und sicher stellte er den Krug an seinen Ausgangspunkt zurück. Seine spröde vertrocknete Unterlippe wies einen kleinen blutverkurstet Riss auf, an dem unweigerlich ein Tropfen des köstlichen Nasses herunter lief. Doch dann wischte er sich mit deinem rechten Unterarm über die untere Gesichthälfte und der Tropfen verlor sich in den Fasern seines Mantels. „Du bist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten und ähnlich nervös wie er, aber du willst sicherlich nichts über den Charakter deines Vaters erfahren. Setz dich hier neben mich. Und stell den Stuhl wieder hin den du umgerissen hast!“ Sein Ton war der eines Anführers, ebenso wie seine einst heroisch anmutende Kleidung. Mir war also klar, dass ich es hier nicht mit einem einfachen Seeräuber zu tun hatte. Schnell erhob ich mich, stellt den Stuhl wieder hin, fiel dabei fast erneut über meine eigenen Beine, da meine Aufregung nun endlich etwas zu erfahren immer größer wurde. Ich setzte mich neben ihn und starrte ihn erwartungsvoll an. Sein Blick, wieder voll und ganz dem Feuer gewidmet wirkte wieder steinern wie zu Anfang. Der Wirt trabte langsam auf mich zu, sein Blick verließ mich immer noch nicht, nur schien ihm nun hin und wieder ein Schmunzeln über die Wangen zu rutschen. Er stellte mir ebenfalls einen Holzkrug mit Rum vor die Nase. Getrieben von dem feinen Duft und dem Durst der mir nun immer bewusster wurde, nahm ich einen kräftigen Zug. Das Nass ließ meine Sinne judizieren, einen so vollen und herrlichen Geschmack hatte ich noch nie aufgenommen, ich fühlte wie das leichte brennen meine Speiseröhre hinunterlief und mir zugleich wohliger wurde. Ich stellte den Krug wieder hin und betrachtete von neuem die Gestalt vor mir.
„Nun…“ Weder ein Blick noch die Worte trafen mich direkt, er sprach ins Feuer und hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich geglaubt die Statue von einem Piraten vor mir würde zum Reden nicht im Entferntesten eine Regung vollziehen. Doch sie fuhr fort: „Die R-t-R, du hast also von ihr gehört. Aber das denke ich hat jeder, nur wirklich Etwas über sie wissen tut keiner… keiner außer IHM. Aber zu IHM später… Die R-t-R ist ein prächtiges Schiff, ein mächtiges Schiff, ein unbeschreibliches Schiff… es ist kein Schiff. Zumindest keins was auf dieser Erde geschaffen wurde. Sieh! Dort oben!“ Er wies zu seiner Rechten auf das Buddelschiff welches ich schon vor Kurzem gesehen hatte. „Diese Nachbildung ist die Einzige die von der Geheimnisvollen R-t-R existiert. Niemand wagte es sie zu zeichnen, nur dieser Araber, der dieses Flaschenschiff erschuf, traute sich eben diese eine Nachbildung zu erschaffen. Das ist allerdings Jahrhunderte her und der Erschaffer mit Namen Abdul Al'hazred ist nachdem er es erschaffen hatte durchgedreht. Nur noch einige Bücher soll er verfasst haben, die allerdings von Wahn erfüllt sein sollen. Nun ja die Bauweise wie du vielleicht erkannt hast ähnelt keiner aus der bekannten Schifffahrt. Die Ausmaße sind grandios, dennoch ist es schneller als jedes Schiff dieser Welt und vor allem besser bewaffnet. Aber das die R-t-R niemals eine Schlacht verloren hat, brauche ich wohl hier nicht extra erwähnen.“ Er nahm einen weiteren Schluck um seine nun rauer gewordene Stimme etwas zu besänftigen. Dann fuhr er fort: „Man sagt, dass das Schwarze Schiff, die R-t-R aus keinen uns bekannten Baumaterialien erschaffen worden sei.“ Nachdem er diesen Satz beendete Blicke er mich mit grausigem Blick an. Das Blut erfror in meinen Venen, dass Pulsieren meines Herzens wich der Angst vor diesem Blick, doch die Neugier ließ meine Augen erstrahlen und er wand sich erneut von mir ab und setze seine Rede fort. „Der Rumpf, kräftig, stabil, und von unzähligen Einschlägen der unterschiedlichsten Kaliber gesäumt, besteht nicht aus Holz, nein! Erschaffen wurde dieser aus den Knochen unzähliger Dämonen und Urzeitwesen. Verstärkt durch Planken die aus der Arche selber geschlagen worden und ein groteskes Muster in der Bordwand ergeben. Der Erbauer fügte es so zusammen, dass die grausamsten Fratzen zu erkennen sind und Jedermann der jemals dieses Schiff sah auf ewig dieses Bild in Alpträumen vor sich sah. Gesäumt ist das ganze von dem Blut Unzähliger und dem Salzwasser von Äonen von Jahren. Die Bordwand, ist Schwarz… Die Masten dieses Schiffes, höher als jemals ein Baum wachsen könnte, sollen manifestierte Blitze selber sein die von den großen alten Göttern vor Urzeiten auf die Erde geschleudert worden. Niemals soll eine Kanonenkugel auch nur den geringsten Kratzer an ihnen gelassen haben. Beschlagen sind sie mit Metallen die nur in den Schmieden der Hölle erstellt worden sein konnten. Die Masten, sind Schwarz… Die Segel. Fetzenartig flattern sie im Wind. Dennoch stehen sie meist voller da, als es dem menschlichen Geiste für möglich erscheint. Sie sind nicht gewebt. Nicht doch! Aus den Häuten der verlorenen Seelen der Meere, den lederigen Überbleibseln der robustesten Höllenwesen sollen sie vom Teufel selbst gesponnen sein. Selbst das Leichentuch Christi ziert den Außenklüver der R-t-R. Die Segel, sind Schwarz… Die Kanonen. Wie Augen der Gefährlichsten Kreaturen des Dschungels blicken sie Angst einflößen aus dem Dickicht der Bordwand hervor. Zu zählen hat sie noch niemand gewagt. Keine Manufaktur der Erde hätte jemals solch zerstörerische Kaliber produzieren können. Die Kanonen der R-t-R wurden lange vor der heutigen Zeit von den gefallenen Engeln des Himmels selbst, aus den Posaunen von Jericho gegossen. Ihr Donner lässt Unwetter entstehen und die See selbst aufbegehren. Die Kanonen, sind Schwarz… Die Tagelage ist nicht aus einfachen Seilen. Ketten die Einst Höllenhunde in Zaum hielten, bilden mit gesponnenem Engelshaar, das der Namenlose dem geflügelten Pack selbst abschnitt die Tagelage. Diese, ist Schwarz… Dieses Schiff existiert… es kann nicht existieren… es ist nicht von dieser Welt oder aus einer der uns bekannten Sphären… es ist anders… es ist, die R-t-R!“ Er beendete seine Ausführungen über das Schiff und nahm erneut einen Kräftigen Schluck Rum. Als ich ihn ansah, gebannt von dem was eben meine Ohren durchflutete, bemerkte ich, dass er während seiner Ausführungen immer stolzer zu werden schien. Ich war gefesselt, ich konnte nichts antworten, ich konnte nicht sagen, dass alles ein Hirngespinst sei und es nicht möglich währe, dass so ein Schiff existiert… dafür war es zu real und mir zu bewusst, dass es sie wirklich gibt. Sie die R-t-R. Meine Gedanken Ströme wurden ohne das eben gehörte zu verarbeiten erneut unterbrochen, als die Stimme des Mannes sich erneut erhob. „Der Kapitän dieses Schiffes… du sprachst von ihm… in den Tavernen wird wenig über ihn gesprochen. Der Kapitän… er, der keinen Namen trägt. Nur was einen Namen trägt hat auch eine Seele. Dieses Geschöpf hat keine Seele. Er kreuzt seit Jahrhundert nun schon auf den Meeren dieser Erde. Niemand weiß wer oder gar was er ist… Man sagt er wurde von der Hölle selbst ausgespuckt auf die Erde, ohne zu wissen wo er wirklich hingehört. Einen Zwiespalt trug er über Jahrmillionen mit dem Teufel aus. Es ließ ihn immer grausamer und schrecklicher werden. Nie wollte er seinen Gedanken für Freiheit aufgeben und so kam er auf die Erde. Denn so grausam er auch ist und so viele er schon getötet hat. Stets stand er für seine Sache ein, die Gerechtigkeit! Seine Mannschaft wählte er aus den besten und tapfersten Geschöpfen dieses Erdballes. Sie, ausgestoßen und in ihrem Sinn nach Freiheit und Gerechtigkeit von dieser hier vorherrschenden Gesellschaft mit Füßen getreten, fanden den Weg an seine Seite. Ihr Kampfesmut so wie ihre Zusammengehörigkeit wird niemals gebrochen werden können, denn sie stehen für die Freiheit der Gedanken ein. So würden sie auch für diese Gedanken und ihren Kapitän an seiner Seite sterben. Jeder ein Held für sich, wird sich niemals beugen. Das Regiment an Bord des Schiffes ist zwar hart, dennoch gerecht, nicht wie an Bord dieser vermaledeiten königlichen Marineschiffe.“ Nach diesem Satz, spuckte er ein gelb grünes Speichel-Rotz Gemisch in die Züngelnden Flammen. Welche es mit einem Zischen willkommen hießen. Er fuhr fort: „Die R-t-R gab es allerdings schon vor der Zeit des Kapitäns auf der Erde. Nur als er den Krater in der Visage der Welt verließ und eben diese betrat, wurde ihm klar, dass nur dieses unmenschliche Schiff seinen Ruf über die Weltenmeere hätte tragen können. Irgendein französischer Kapitän namens Luis Cypher befehligte es. Er führte ein scharfes Schwert über die armen Seelen an Bord. Angewidert von ihm fordert der Kapitän ihn hinaus. Der Kampf dauerte ein ganzes Jahrhundert, ehe der Kapitän die Made Cypher in die Grotte zurück schickte aus der er einst gekrochen kam.“ Er verzog sein vernarbtes Gesicht angewidert und Blickte mich erneut an. „Du sprachst von deinem Vater… er lebt… er ist Wohl auf und er ist frei! Sei unbesorgt. Mehr kann ich dir nicht verraten.“ Er schwieg. Er blickte zurück ins Feuer. Genau wie in dem Moment an dem ich diesen Ort betrat. Das war es. Mehr sollte ich nicht erfahren. Fragen, Vorstellungen und Bilder erfassten meine Sinne. Mein Kopf brannte. Soviel Unfassbares, soviel Skurriles, soviel Geheimnisvolles. Ich verlor mich zunähmst in einer Gedankenwelt rund um das eben Erfahrene. Mir schien als ob ich mich in einer geistigen Blase befand, mein rasend Herz und mein tobendes Hirn verlangten von mir diesen Ort nun endlich zu verlassen. Getrieben durch das Mysterium was diese Gemäuer umgab, stand ich wankend auf. Meine Motorik ließ bereits nach, der Rum tat das Übrige... Mir wurde kurz schwarz vor Augen, noch bevor ich zu Boden ging fing ich mich und stürzte auf die Tür zu. Ein kurzer Blick zurück fand das Antlitz zweier amüsierter Piraten, meine vorgestreckte Hand das Holz der Tür und einige Splitter die sich in ihr niederließen. Das Tor in das normale Sein sprang auf und ich konnte die Welt für die mein Verstand und mein Charakter nicht bestimmt waren, verlassen. Zumindest physisch...
Als sich hinter mir die Tür mit einem quietschen schloss, fand ich mich im Freien wieder. Der Regen wurde stärker und prasselte auf mich ein. Ich blickte nach oben und meine Augen blinzelten reflexartig, als die nassen Tropfen meine Lieder unachtsam berührten. Mein Mund war mit einem dünnen Spalt geöffnet und das kühle Nass lief in winzigen Bächen die Lippe hinunter. Der Reiz ließ mich, wenn man es so nennen konnte, langsam wieder zu Sinnen kommen. Ich war weit entfernt, auch wenn ich nur einige Schritte vor dem Eingang stand. Wie lang ich dort nun so regungslos stand vermag ich nicht mehr zu sagen. Minuten, Stunden oder gar Tage. Das Tageslicht veränderte sich zumindest nicht, genauso wie die Intensität des Regens. Irgendwann jedoch verspürte ich den Drang diesen Ort der Erkenntnis und des Widerspruches weit hinter mir zu lassen. Ich drehte mich um, sah durch eine der Fensterscheiben noch einen faden Lichtschein und stapfte durch den moorastig nassen Untergrund. Ich war wieder allein, allein mit meinen Gedanken und wusste nicht wohin ich gehen sollte. Nur weg, da war ich mir sicher. Langsam, immer schneller werdend lief ich einen dunklen Weg. Ob es auch der war auf dem ich zu dieser Stätte gekommen war, ist mir bis heute ein Rätsel. Selbst wenn ich es gewollt hätte, ich glaube oder viel mehr weiß es, dass ich niemals zur "Dead Cat's Chest" zurück gefunden hätte.

